Rechtsanwalt Franz-Josef Weber | Familienrecht

Rechtsanwaltskanzlei Weber Hermeskeil

Familienrecht

Zuerst zum Anwalt, dann zum Notar

Beispielsfall:

Die Eheleute haben gerade ihr eheliches Einfamilienhaus fertig gestellt, welches ihnen zu je 1/2 gehört. Der Baukredit ist relativ hoch und valutiert noch voll. Es kommt zur Trennung und die Eheleute besprechen untereinander die Auseinandersetzung des Hausanwesens und gehen dann gemeinsam zum Notar, wobei dann der Ehemann das Haus übernimmt gegen einen Herauszahlungsbetrag und gleichzeitig die Ehefrau im Innenverhältnis von den Bankschulden freistellt. Dieser Herauszahlungsbetrag wird dann auf den Baukredit draufgesattelt und belastet den Ehemann monatlich erheblich.

Im Verlauf der Trennung macht nunmehr die Ehefrau Unterhaltsansprüche in gravierender Höhe geltend. Der Ehemann kann die monatlichen Tilgungen auf das Haus unterhaltsrechtlich nur mit der Zinslast geltend machen. Die Tilgung selbst kann er unterhaltsrechtlich nicht einkommensmindernd geltend machen. Ergebnis ist, dass das Haus nicht gehalten werden kann aufgrund der hohen Unterhaltslast an die Ehefrau und es zur Verwertung des Hausanwesens kommt.

Dieses Beispiel zeigt, das Vermögensauseinandersetzungen, Unterhaltsregelungen und viele andere Fragen im Rahmen einer Ehescheidung im Zusammenhang behandelt werden müssen und es fatal enden kann, wenn eine Angelegenheit isoliert geregelt wird, wie oben in dem notariellen Vertrag. Der Notar hat den Auftrag erhalten, die Hauseinandersetzung und die Schuldenauseinandersetzung zu beurkunden und damit war für Ihn der Auftrag erledigt. Die Gesamtschau ist nicht Aufgabe des Notars. Daher ist der Satz “Zuerst zum Anwalt, dann zum Notar” dringend einzuhalten. In der anwaltlichen Beratung kann die gesamte eheliche Situation beleuchtet werden und rechnerisch dargestellt werden, was den Parteien finanziell möglich ist und was nicht. Wäre der Ehemann im vorliegenden Falle zuerst zum Anwalt gegangen, hätte man von vorneherein die Unterhaltsverbindlichkeit ausrechnen können und es wäre festzustellen gewesen, dass ein Herauszahlungsbetrag, zumindest in der beim Notar beurkundeten Höhe, nicht möglich gewesen wäre.

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